Archiv

Unser Archiv beinhaltet alle bisher veröffentlichten Belege des Monats.
Die Philatelie ist sehr vielseitig in Betracht auf ihre Sammelgebiete. Es gibt Motivsammlungen, postgeschichtliche Sammlungen, Heimatsammlungen, Ländersammlungen und noch vieles mehr. Auch die Geschichte hinter einem Beleg kann durchaus interessant sein und einen kleinen Einblick in das Leben zu der Zeit gewähren.

„Philatelie ist gelebte Geschichte“ sagt man; und so ist es auch.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Stöbern durch unser Archiv.


Beleg des Monats April 2022

PORTOSTEMPEL-Umschlag mit Werteindruck 10 KOPEK. (Typ 1 BW4) vom April 1846 von SORDAVALA nach ST. PETERSBURG mit kyrillischem Einzeilerstempel von Sordavala (verwendet 1812-1846), sowie mit Ankunftstempel auf der Rückseite. Handschriftlicher Ankunftsvermerk: 16. bzw. 28. April 1846 (Julianischer bzw. Gregorianischer Kalender)
Gebühr: Vorausbezahlt für den Brief bis 1 Lot = 10 Silberkopeken (Einheitstarif 1.1. 1845 – 31. 12. 1849)
Für Briefe von Finnland nach Russland und über Russland hinaus (nicht über Schweden!) hatte die Postverwaltung bereits am 9.1.1844 ebenfalls eine Gebühr von 10 KOP / 1 Lot Briefgewicht festgelegt.
Route: SORDAVALA via KEXHOLM und WIBORG nach ST. PETERSBURG.
Obwohl die PORTOSTEMPEL-Umschläge bis zum 22. Januar 1849 nur innerhalb des
Großfürstentums Finnland verwendet werden durften, wurde dieser Brief im April 1846 ohne
Beanstandung nach St. Petersburg in Russland befördert. Bis jetzt sind nur 4 Auslandsbriefe bekannt. Mit Veröffentlichung vom 11.6.1844 verkündete die Postverwaltung vom Großfürstentum Finnland die Einführung einer Einheitsgebühr zum 1.1.1845 für die Postbeförderung im Inland. Unabhängig von der Beförderungsstrecke wurde für einen höchstens 1 Lot schweren Brief eine Einheitstaxe von 10 Kopeken festgelegt. Gleichzeitig wurden die ersten Umschläge mit eingedrucktem Wertstempel von 10 KOP und 20 KOP in Gebrauch genommen. Somit hat das Großfürstentum Finnland am 1.1.1845 als zweites Land der Welt, 11 Jahre vor Ausgabe eigener Briefmarken, bereits Ganzsachenbriefumschläge verausgabt. Diese Ganzsachen wurden nach der Schrift auf dem eingedruckten Wertstempel ‚PORTOSTEMPEL-Umschläge‘ genannt. Sie durften nur innerhalb des Großfürstentums Finnland für nicht
eingeschriebene Briefe verwendet werden. Vom 22.1.1849 bis zum 31.12.1849 konnten die PORTOSTEMPEL-Umschläge auch nach Russland versendet werden. Bei den PORTOSTEMPEL-Umschlägen wurde der Poststempel nicht auf dem Portostempel-Werteindruck abgeschlagen, sondern nur dort, wo neben der Empfängeranschrift noch freier Platz war


Beleg des Monats Mai 2022

Finnland war während der bis 1808 andauernden Schwedenzeit kein eigenständiges Land, sondern war als integraler Bestandteil des Königreichs Schweden in verschiedene Provinzen aufgeteilt. Nach dem am 21. Februar 1808 erfolgten Einmarsch russischer Truppen kam es zum sogenannten ‚Finnischen Krieg‘. Dieser Angriffskrieg (1808-1809) des zaristischen Russlands endete mit der erfolgreichen Eroberung und Besetzung Finnlands. Im Friedensabkommen von Fredrikshamn (17. Sept. 1809) musste Schweden alle finnischen Provinzen einschließlich der Ålandinseln, sowie Teile von Lappland und Westbottnien, an das Russische Kaiserreich abtreten. Finnland wurde ein Großfürstentum von Russland mit einer vom Zar Alexander I. zugesagten weitgehenden inneren Autonomie. Zar Alexander I. und seine Nachfolger waren zugleich Großfürsten von Finnland, die von einem Gouverneur mit Sitz in Helsinki vertreten wurden.

Im Jahre 1811 erhielt Finnland eine eigene Post-Zentralbehörde mit Sitz in der Hauptstadt Helsingfors. Die ersten Ortsstempel waren die Kyrillischen Einzeiler ohne Datum. Sie wurden ab 1812 in Gebrauch genommen und bis 1847 verwendet. Den Stempel in kyrillischer Schrift erhielten insgesamt 37 Postämter. Auch das Postamt Kastelholm auf den Ålandinseln erhielt diesen Stempel.

Amtsbrief vom 12. Mai 1812 von Kastelholm auf den Ålandinseln nach Åbo (Turku) mit Vermerken: Freibrief No. 25 und Kartierungsnummer 6.
Gebühr:  Postdienstsachen wurden zwischen den Postämtern gebührenfrei befördert. 
Der Kyrillische Einzeilerstempel von KASTELHOLM wurde von 1812 bis nur 1842 verwendet, denn das Postamt Kastelholm wurde im Jahr 1842 in die Festung Skarpans verlegt. Dieser Brief zeigt den bis jetzt frühesten bekannten Stempelabschlag des Kyrillischen Einzeilerstempels von KASTELHOLM.
Briefinhalt:  Anders Daniel Hagström, Postmeister von 1808 bis zum 30.11.1812 im Postamt Kastelholm, schreibt an den Herrn Postinspektor in Åbo und bittet um Rücksendung der nur für Kastelholm bestimmten Postsäcke, die bereits im März nach Åbo gesandt worden sind.

Belege des Monats Juni 2022

In dem zum Königreich Hannover gehörenden Grenzort Lauenförde an der Weser wurden zum 1. Juni 1840 eine Postspedition für Brief- und Paketpost, sowie ein Relais für die Fahrpost zur Vorhaltung von frischen Pferden für Postkutschen, Couriere und Estafetten-Reiter  eingerichtet.

Als ersten Stempel erhielt die Postspedition in Lauenförde den Einzeiler-Langstempel Typ L1  LAUENFOERDE.  Auf den eingelieferten Briefen wurde dieser Orts-Zeilenstempel abgeschlagen, das Datum wurde jeweils handschriftlich hinter oder unter dem Stempel notiert. Von Beginn im Jahr 1840 bis Ende April 1852 wurde eine schwarze Stempelfarbe verwendet.  Mit Datum vom 23. April verfügte die Post die Lieferung von blauer Stempelfarbe (Cirkular Nr. 220 der General-Post-Direktion Hannover), so dass ab Ende April 1852 nur noch die blaue Stempelfarbe verwendet worden ist.

Im Laufe des Jahres 1852 erhielt die Postspedition in Lauenförde den Großen DOPPELKREISSTEMPEL Typ K2 mit Tages- und Monatsdatum zur Entwertung der Frankatur und zum Abschlag auf dem Brief, denn das täglich im Stempel zu ändernde Briefeinlieferungsdatum sollte gut zu erkennen sein. Mit Einführung des Großen Doppelkreisstempels Typ K 2 wurde der Einzeiler-Langstempel Typ L1 von LAUENFOERDE nur noch als Formularstempel, wie z.B. auf einem Personen-Schein zur Fahrt mit der Postkutsche, verwendet.

Reiseschein vom 20.07.1861

Der am 20. Juli 1861 nachmittags mit der Postkutsche von Uslar nach Lauenförde (Personen-Schein Typ 9 mit blauem Formular-Einzeilerstempel von USLAR liegt vor) angereiste Superintendent Dr. Meyer trat am 22. Juli 1861 die Rückreise nach Uslar an.  Die Abfahrt der Postkutsche war morgens um 9 Uhr und 10 Minuten. Herr Dr. Meyer musste für die Fahrt von Lauenförde nach Uslar 26 GuteGroschen bezahlen. Für einen zu der Rückfahrt mitgebrachten 20 Pfund schweren Reisekoffer musste keine Gebühr entrichtet werden, denn eine ‚Bagage bis 30 Pfund‘ war kostenlos.

Der Personen-Schein wurde in der Postspedition Lauenförde mit dem jetzt nur noch als Formularstempel in blauer Stempelfarbe verwendeten Einzeiler-Langstempel Typ L1 von LAUENFOERDE  gestempelt.

Aus dem kleinen hannoverschen Grenzort Lauenförde sind nicht sehr viele Personen mit der Postkutsche abgereist, denn im Juli 1861 wurde immer noch der Personen-Schein Typ 8 mit dem Jahresvordruck 185  verwendet.  Von diesem Reiseschein Typ 8 sind nur noch vier andere Personen-Scheine registriert.  Dieses ist also der bis jetzt einzig bekannte Personen-Schein mit dem zweimal abgeschlagenen Einzeiler-Langstempel L1 von LAUENFOERDE in blauer Farbe.

Auszüge aus den weiteren damals gültigen Reisebestimmungen:

–  Geladene Feuergewehre, leicht entzündbare oder sonstige, die Sicherheit gefährdende Gegenstände, sowie auch Tonnen und Körbe mit Victualien, werden als Reise-Gepäck zur Beförderung nicht angenommen.

–  Der gegenwärtige Personen-Schein ist nur für die in selbigem bezeichnete Person, sowie für denjenigen Cours und Tag gültig, für welchen er ausgefertigt ist.

–  Der Reisende hat sich eine Viertelstunde vor der bestimmten Abgangszeit bei dem Wagen einzufinden. Es wird auf das Eintreffen der am ersten Abfahrts-Orte zu der bestimmten Frist nicht vorhandenen, oder unterwegs sich entfernt habenden Personen, nie gewartet.

–  Trinkgeld ist an die Postillons und Wagenmeister nicht zu entrichten.

–  Kranken und gebrechlichen, imgleichen schmutzigen und schlecht gekleideten Personen, sowie Kindern unter vier Jahren, wird kein Platz im Postwagen eingeräumt.

–  Die Nummern der Plätze werden nach der Reihefolge der Anmeldung bestimmt.

–  Ohne ausdrückliche Erlaubnis der Reise-Gesellschaft ist es Niemanden erlaubt, in dem Postwagen Tabak zu rauchen. Hunde mit in den Wagen zu nehmen, ist, selbst wenn die Reise-Gesellschaft hiezu ihre  Einwilligung ertheilen sollte, durchaus nicht gestattet.


Beleg des Monats Juli 2022

Mit der Veröffentlichung der Gesetz – Sammlung für das Königreich Hannover Nr. 18 vom 14.Mai 1840  wurde bekannt gegeben, dass in Hardegsen und in Lauenförde ein Post-Relais eingerichtet wird. Gleichzeitig wurden für die Berechnung der Extrapost-, Courier- und Estafettentaxe, sowie für das Personen- wie auch das Stationsgeld, die Entfernungen in Meilen von Lauenförde zu den Städten Brakel, Carlshafen, Höxter, Holzminden und Uslar, festgelegt.

Neben dem ab dem 1. Juni 1840 eingerichteten Relais für die Fahrpost zur Vorhaltung von frischen Pferden für Postkutschen, Couriere und Estafetten-Reiter, wurde eine Postspedition für Brief- und Paketpost eingerichtet.  Herr A. F. Wolkenhauer wurde der erste Postspediteur und Posthalter der Postspedition Lauenförde. Das vorgesetzte Postamt war anfangs Northeim, ab dem 1. Juli 1857 wurde Einbeck das vorgesetzte Postamt. Die Postspedition erhielt den Einzeiler-Langstempel Typ L1  LAUENFOERDE.  Auf den eingelieferten Briefen wurde dieser Orts-Zeilenstempel abgeschlagen, das Datum wurde jeweils handschriftlich hinter oder unter dem Stempel notiert.

Von Beginn im Jahr 1840 bis zum 23. April 1852 wurde noch die schwarze Stempelfarbe verwendet.  Mit Datum vom 23. April verfügte die Post die Lieferung von blauer Stempelfarbe (Cirkular Nr. 220 der General-Post-Direktion Hannover).

Brief vom 13. 6. 1852 an die Königliche Wasserbau Inspection in Hameln als Königliche Dienstsache ( K. D. S. ) mit Wolfsangel-Kennzeichnung und Absenderangabe Revierförster Geyer zu Würrigsen.  Das Forsthaus Würrigsen (heute in Würgassen an der Weser) gehörte damals mit den Hannoverschen Klippen zum Königreich Hannover und somit postalisch zu Lauenförde.

Gemäß der Hannoverschen Post-Taxe vom 1. Oktober 1850 musste für einen ‚Gewöhnlichen Brief‘ von 2 bis 4 Lot Gewicht eine Inland-Beförderungsgebühr von 3 GGr. (GuteGroschen) entrichtet werden. Das Briefgewicht von 2 1/4 Lot, die daraus resultierende Gebühr von 3 GGr. sowie das Aufgabedatum 14/6 des Briefes wurden von dem damaligen Postspediteur Linnenbrügge (Vom 22.7.1850 – 24.1.1854 Postspediteur in Lauenförde) mit demselben Stift handschriftlich auf der Briefvorderseite notiert. Rückseitig: Siegel Forstrevier Würrigsen mit Wolfsangel sowie mit blauem Ankunftstempel HAMELN 15.6.

Dieses ist der bis jetzt früheste und erst zweite bekannte Brief mit dem Einzeiler-Langstempel L1 von LAUENFOERDE in blauer Farbe, denn im Laufe des Jahres 1852 erhielt die Postspedition in Lauenförde den Großen DOPPELKREISSTEMPEL Typ K2 mit Tages- und Monatsdatum zur Entwertung der Frankatur und zum Abschlag auf dem Brief, damit das täglich im Stempel zu ändernde Briefeinlieferungsdatum gut zu erkennen war. Mit Einführung des Großen Doppelkreisstempels Typ K 2 wurde der Einzeiler-Langstempel Typ L1 mit blauer Stempelfarbe nur noch als Formularstempel, wie z.B. auf einem Personen-Schein zur Fahrt mit der Postkutsche, verwendet.