Herzlich willkommen

Herzlich willkommen auf der Website der Briefmarkensammlergemeinschaft Hofgeismar.

Auf den folgenden Seiten wollen wir uns vorstellen und einen kleinen Einblick in unser Vereinsleben geben.


Vereinsfahrt zur IBRA 2023

Wir wollen gemeinsam mit unseren Mitgliedern zur IBRA Weltausstellung nach Essen fahren. Die Fahrt ist für den 27.05.2023 geplant. Der Eintritt ist frei.
Bitte meldet Euch bis spätestens 30.04.2023 bei unserem 1. Vorsitzenden Lutz Oltersdorf für die Fahrt an!


In den Wintermonaten finden unsere Tauschtreffen ab 17:00 Uhr statt.
Unsere aktuellen Termine finden Sie hier


Beleg des Monats

Als Belege der Monate Juli und August wurden zwei im Juli 1861 ausgestellte Personen-Reisescheine für eine Fahrt mit der Postkutsche von USLAR nach Lauenförde, sowie für die Rückreise von LAUENFOERDE nach Uslar vorgestellt. Diese Belege sind weiterhin im Archiv dieser Website zu sehen. Heute möchte Ihnen die Briefmarken-Sammlergemeinschaft Hofgeismar zwei Extrapost-Belege für eine Fahrt mit der Postkutsche von Carlshafen nach Höxter, sowie für die am nächsten Tag erfolgte Weiterfahrt von Höxter nach Rischenau vorstellen. Siehe Abbildungen 1, 2 und 3.

 Friedrich I. von Hessen-Kassel (1676-1751) wurde durch Heirat König von Schweden (1720-1751) und ab 1730 war Friedrich I. auch Landgraf von Hessen-Kassel. Zur Sicherung seiner Hoheitsrechte durch regelmäßigen Nachrichtenverkehr wurde 1736 eine 2 x wöchentlich verkehrende Postverbindung zwischen Kassel via der hessischen Exklave Schaumburg nach Stockholm eingerichtet. Der Postweg von Kassel gen Norden führte via Hofgeismar – Carlshafen – durch die Weserfurt bei Herstelle nach Lauenförde und von Lauenförde durch die Furt via Beverungen weiter nach Höxter – Rischenau – Lügde und Rinteln zur hessischen Grafschaft Schaumburg. Von der Grafschaft Schaumburg wurde die Post via den hessischen Exklaven Uchte (von 1521-1806 hessisch) und Bassum (von 1582-1807 hessisch) nach Bremen und von dort weiter via Hamburg nach Stockholm befördert. Dieser durch hannoversche Hoheitsgebiete führende ‚Bremer Cours‘ wurde im Postvertrag mit Hannover am 23.10.1741 vertraglich geregelt.

Im Jahr 1764 berichtet die von Thurn und Taxis betriebene Kaiserliche Reichspost über eine Fahrpostverbindung von Kassel über Carlshafen und Höxter nach Holzminden und weiter bis nach Braunschweig. Die nach der Gründung des Deutschen Bundes im Jahr 1816 von Thurn und Taxis in verschiedenen Kleinstaaten wie z.B. Kurfürstentum Hessen, Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe betriebene Post benutzte ebenfalls für ihre Reit- und Fahrpost den seit 1736 bestehenden ‚Bremer Cours‘ auf der Strecke von Kasssel gen Norden via Helmarshausen/Carlshafen – durch die Weserfurten bei Herstelle und Lauenförde – via Beverungen weiter nach Höxter.

Bis ca. Ende 1837 mussten für den kürzesten Postkutschenweg von Carlshafen nach Höxter die zwei Weserfurten bei Herstelle/Würgassen und bei Lauenförde/Beverungen durchquert werden. Erst gegen Ende des Jahres 1837 war der frühere am Weserbogen-Steilhang der Lumecke entlangführende Fußweg zwischen Herstelle und Beverungen als Straße soweit fertig ausgebaut, dass die auf dem ‚Bremer Cours‘ zwischen Carlshafen und Höxter verkehrenden Postkutschen nicht mehr die Weserfurten bei Herstelle und Lauenförde durchqueren mussten.

Ab dem 17. Jahrhundert wurde also das bis dahin teilweise sehr schlechte Wegenetz in Deutschland ausgebessert, so dass auf den eingerichteten Postlinien die Beförderung von stetig zunehmender Brief- und Paketpost nicht nur von der Reitenden Post, sondern auch mit speziellen Postwagen der Fahrpost erfolgen konnte. Diese Fahrpost verkehrte regelmäßig zwischen bestimmten Orten, in denen eine Poststation oder ein Postrelais zum Wechseln der Pferde eingerichtet war. Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die Reisetätigkeit stetig zu, so dass nach und nach die einfach gebauten Postwagen der Fahrpost durch komfortablere Postkutschen zur Personenbeförderung ersetzt wurden. Da die Fahrpost nur tagsüber fuhr, wurden in den Orten mit Postrelais und Poststation ‚Gasthäuser zur Post‘ mit einer Übernachtungsmöglichkeit für die Gespannführer (Postillone) der Postkutschen und für die in den Postkutschen der Fahrpost anreisenden Personen eingerichtet. Die Postkutschen der Extrapost fuhren hingegen bei Bedarf Tag und Nacht bis zum Zielort der Reisenden.

 Am Dienstag dem 2. Mai 1837 wurde von der Kurfürstlich Hessischen Posthalterei zu Carlshafen eine Quittung über eine bezahlte Extrapost-Gebühr für eine Fahrt mit der Postkutsche von Carlshafen nach Höxter ausgestellt. Wie der Quittung (siehe Abb. 1) zu entnehmen ist, musste der jetzt noch nicht genannte Reisende vor Antritt seiner Fahrt mit der vierspännigen Postkutsche 4 Thaler und 8 Gute Groschen in der Kurhessischen Posthalterei Carlshafen bezahlen. Die Entfernung zwischen Carlshafen und Höxter wurde mit 2,5 Meilen angegeben. Da die neue Chaussee zwischen Herstelle und Beverungen am 2. Mai 1837 noch nicht fertig war, musste die Postkutsche auf dem Weg nach Höxter die Weserfurt von Herstelle nach Würgassen und die Furt von Lauenförde nach Beverungen durchqueren.  Gemäß ‚Nachricht‘ auf der Quittungsrückseite (siehe Abb. 2) hatte der Reisende bei seiner Ankunft in der Poststation Höxter dem Postillon der vierspännigen Postkutsche noch zusätzlich ein Trinkgeld von 6 Gute Groschen zu geben.

 Der Quittung des Post-Amtes zu Höxter (siehe Abb. 3) ist zu entnehmen, dass ein Herr Graf von Oberstein am 3. Mai 1837, ebenfalls in einer vierspännigen Kutsche der Extrapost von Höxter nach Rischenau gereist ist.  Es ist davon auszugehen, dass der Graf von Oberstein von Carlshafen kommend in Höxter übernachtet hat und am folgenden Tag seine Reise nach dem laut Post-Entfernungstabelle zwei Meilen (eine Preußische Meile = 7,532 km) entfernten Rischenau fortgesetzt hat. Für diese Fahrt in einer ebenfalls standesgemäßen vierspännigen und vermutlich auch komfortablen Postkutsche von Höxter bis zur Poststation in Rischenau musste der allein reisende Graf von Oberstein im Post-Amt zu Höxter 3 Reichsthaler und 23 Silbergroschen bezahlen.

 Ein wie in Kurhessen nach Anzahl der Pferde festgelegtes gesetzliches Trinkgeld musste dem Postillon nicht überlassen werden.  Dafür war es in Preußen üblich, für die Unterhaltung der Chausseen ein je nach Wagentyp, Anzahl der Zugtiere und nach der zu fahrenden Entfernung gestaffeltes Chausseegeld zu bezahlen. In Höxter musste das Chausseegeld gleich bei der ‚Buchung‘ der Postkutschenfahrt bezahlt werden.  Das Chausseegeld wurde in Preußen am 31. Dezember 1874 abgeschafft.

Die auf den zwei Quittungen oben rechts zu sehenden Zahlen 40 und 41 wurden vermutlich aus buchhalterischen Gründen bei der Reisekostenabrechnung nachträglich im Hause des Grafen von Oberstein notiert.